Donnerstag, 19. November 2009

Anlagemöglichkeit gesucht? Willkomen in der Geisterstadt!

Was sich in Spanien an Immobilienspekulation abspielt, ist schon kaum zu glauben (und zugegebenermaßen auch recht schwer verständlich)...



Deutlicher (wenn auch noch unglaublicher) wird es nun mit einem Beispiel aus China, wo mit "New Ordos" eine ganze Stadt leer steht - aber dennoch ausverkauft ist...



Warum solch hirnrissiges Wachstum nötig ist, wird hier erklärt. Danke für den Hinweis auf Ordos!

Dienstag, 17. November 2009

Sicherheitsrisiko Bahn - im Börsenwahn verschlissen

Noch immer will es der eine oder andere Bahnmanager offenbar nicht wahr haben - oder zugeben. Fakt ist jedoch, dass die Bahn jahrelang auf Verschleiss gefahren ist und dabei Personal und Gäste unfassbaren Risiken ausgesetzt ein bzw. es nach wie vor tut. All das zeigt eine Dokumentation der ARD, die für Schlagzeilen sorgt.

Neu ist unter anderem, dass fast jeder fünfte Güterwagon sicherheitsrelevante Mängel aufweist und in Berlin vermutlich 500 S-Bahn-Wagen unterwegs sind, die weger ihrer viel zu schwachen Bremsen eigentlich gar nicht hätten für den Eisenbahnverkehr zugelassen werden dürfen!

Je tiefer man gräbt, desto deutlicher zeigt sich, welch düsteren Pfad die Bahn für den noch immer nicht abgesagten Börsengang eingeschlagen hat!.Dazu kommt, dass das Paradebeispiel für die Folgen der Privatisierung öffentlicher Güter in Deutschland kein Einzelfall ist. Die Macher einer anderen kritischen Bahn-Dokumentation arbeiten an einem neuen Thema, das noch elementarer ist. Beide Phänomene haben systemische Ursachen, die dringend angegangen werden müssen!

Donnerstag, 12. November 2009

Kapitalismus - eine Liebesgeschichte?

Dokumentarfilmer Michael Moore mag umstritten sein; unterhaltsam ist er auf alle Fälle. Heute kommt sein neuer Film in die deutschen Kinos. Neben dem langen gibt es auch einen kurzen, sehr gelungenen Vorschaufilm...



... und ein ausführliches SPIEGEL-Interview. Auf die Frage, ob er in der Krise etwas dazugelernt hat, antwortet der Filmemacher:

"Ja. Ich habe nicht gewusst, dass es so viele hochbegabte junge Leute gibt, die direkt in die Finanzwelt gehen. Unsere besten Ingenieure, Physiker, Mediziner und Mathematiker benutzen dort ihr tolles Gehirn, um sich neue teuflische Finanzprodukte auszudenken. Wir können viele Krebserkrankungen immer noch nicht heilen, es fehlt uns an neuen Energien gegen die globale Erwärmung, und dann verschwenden wir derart unsere Intelligenz, all unseren Reichtum. Das ist so falsch!"

Diese Aussage kann man sicherlich gleich unterschreiben. Das folgende dagegen nicht:

"Man hat über ein vernünftiges ökonomisches System für das 21. Jahrhundert einfach noch nicht richtig nachgedacht."

Oh doch, Michael; es ist aber offenbar noch nicht zu allen durchgedrungen! Kann ja noch werden...

Mittwoch, 4. November 2009

Große Reden - große Taten?

Wer sich so alles mit jahrelang belächelten Ideen zu Wort meldet...
"Die Welt brauche eine neue Ordnung für die Finanzmärkte, 'die Geld und Kapital wieder in eine dienende Rolle bringt', zum Nutzen aller Menschen. Köhler, der früher unter anderem Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) war, hielt es in seiner Rede 'auch für richtig, wenn sich Deutschland mit Nachdruck für eine Abgabe auf internationale Finanztransaktionen einsetzt'."
Bundespräsident Horst Köhler bei der Ernennung des neuen Kabinetts
"Wenn das, was da über uns hinweg gefegt ist und immer noch wütet, eine systemische Krise ist; wenn also ohne massive staatliche Finanzhilfen das gesamte feinnervige marktwirtschaftliche System in Schutt und Asche zerfallen wäre, mit allen schrecklichen politischen und sozialen Folgen - wenn dem so ist, was kaum ein ernstzunehmender Zeitgenosse bezweifelt, dann sind auch tief greifende Reformen am System erforderlich. Dann reichen nicht Änderungen in Teilbereichen, dann muss die gesamte Ordnung des Geld- und Finanzsystems umgebaut werden."
Wolfgang Kaden, Kommentator beim SPIEGEL

Schade nur, dass den Reden keine Taten folgen. Das schwarz-gelbe Regierungsbündnis redet trotz eines neuerdings wachstumskritischen Staatsoberhaupts schon wieder fast ausschließlich vom Wachstum als Mutter aller Problemlösungen.

Der SPIEGEL hat noch immer nicht ohne Vorbehalte über Systemalternativen berichtet. Statt dessen wird auch dort zumeist behauptet, dass es keine Alternativen gibt. Aber das kann man ja ändern!

Interessant wäre sicherlich auch für Deutschland ein Blick auf die mehr oder weniger demokratischen Vorgänge rund um die Reförmchen(versuche) nach der Finanzkrise. In den USA wird offenbar selbst die gut gemeinte Kosmetik, die am falschen Ende ansetzt, mit allen Mitteln torpediert.

Dienstag, 3. November 2009

Finanzindustrie: business as usual

Die Online-Börsenberichterstattung der ARD bringt es erstaunlich deutlich auf den Punkt: Offenbar hat man trotz Krise nichts dazu gelernt.
"Die großen Banken zahlen wieder hohe Boni wie eh und je, die Notenbank Fed trägt mit ihrer Nullzinspolitik zur Entstehung neuer Blasen an den Aktienmärkten bei – und nun auch noch das: Kunden mit geringer Kreditwürdigkeit bekommen in den USA weiterhin Immobilienkredite."
Um genau zu sein - online ist zu lesen...
"Kritischen Beobachtern drängt sich immer mehr der Eindruck auf: Die Amerikaner haben nichts dazu gelernt."
Welcher Beobachter kann angesichts der Fakten nicht kritisch sein?
Und: Wieso nur die Amerikaner? Gibt es irgendein Land, in dem die Verantwortlichen bei Banken und in der Politik nach der Krise viel mehr produziert haben als heiße Luft?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Tricksen, tarnen, täuschen - jetzt schon?

Versprochen wurde einiges. Beschlossen ist offenbar noch nichts. Aber einige bedenkliche Ideen von Union und FDP zum Thema Haushalt machen nun die Runde.

Die Löcher in der Staatskasse sollen offenbar mit einem Schattenetat gestopft werden: Deckname "Sozialversicherungsstabilisierungsfonds"; Inhalt: 56 Milliarden Euro. Damit würde die Neuverschuldung in diesem Jahr auf rund 100 Milliarden Euro steigen. Hintergrund ist, dass nur so die versprochenen Steuersenkungen möglich sind. Verfassungsgemäß dürfte der Schattenhaushalt nicht sein, aber an einer verfassungskonformen Begründung werde noch gefeilt.

Faszinierend, welche Kreativität Politiker an den Tag legen, wenn es um kurzfristige Lösungen geht! Denn langfristig werden die Steuern zwangsläufig wieder steigen müssen, weil ja irgendwer die Zinsen für die neuen Schulden bezahlen muss. Noch faszinierender ist, wie vergesslich Politiker sind. Dabei steht es sogar auf der FDP-Internetseite: "Die FDP lehnt daher Nebenhaushalte ab." Die Berliner Zeitung formuliert es noch etwas meinungsfreudiger:

"Die Schulden von heute sind schließlich die Steuern von morgen, so hat es FDP-Chef Guido Westerwelle schon vor ein paar Jahren gewohnt knackig zusammengefasst. Mit den nun geplanten Taschenspielertricks zeigen die Schwarz-Gelben vor allem eines: Sie besitzen keineswegs die hohe Wirtschaftskompetenz, die ihnen die Wähler zuschrieben."

Das zeigt sich auch bei der nun erdachten Lösung für die Pflegeversicherung. Dort soll eine Kapitaldeckung helfen, auf die die Arbeitnehmer verpflichtet werden sollen. Also: Noch mehr Geld für die maroden Finanzmärkte! Wie bei der Rente wird der Bock zum Gärtner gemacht. Verantwortlich war in diesem Fall übrigens Rot-Grün. Und Schwarz-Rot hatte auch keine besseren Ideen.

PS: Kaum zu glauben, aber wahr: die Pläne für Peterchens bzw. Angelas Mondfahrt waren auch Thema der Koalitionsverhandlungen!

Mittwoch, 7. Oktober 2009

No future - Wirtschaft ohne Zukunft?

Bei der Bewältigung der Weltwirtschaftskrise geht es nur darum, den Status quo um jeden Preis zu erhalten. Man stellt keine Weichen für eine Ökonomie, die mit weniger oder ohne Wachstum auskommen könnte. Die meisten Politiker und Manager denken, dass wir lediglich eine zyklische Krise durchleben. Dabei steuern wir an Funktionsgrenzen unseres Systems. Das war gute 200 Jahre extrem erfolgreich, weil es seine Rohstoffe von außen bezogen hat. In dem Augenblick, wo sich dieses Wirtschaftsprinzip globalisiert, geht es zugrunde, weil eine globalisierte Welt kein Außen hat.
aus einem sehr lesenswerten Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer